Hygge, Lagom und Co.: Wieso skandinavische Wohntrends die Welt erobern

am 14.02.2018 von Evelyn Höllrigl Tschaikner

Wenn die Skandinavier eines können, dann ist es in die Zukunft blicken. Doch wieso punktet der hohe Norden mit seinen skandinavischen Wohntrends? Nicht nur in Sachen Literatur, Musik, Arbeitsrecht und Mode treffen sie perfekt den Zeitgeist, nein, auch was Interior Design betrifft, haben sie die Nase vorn. Schlagworte wie Hygge oder Lagom sind aus der Designerszene nicht mehr wegzudenken. Und was ist das Geheimnis hinter Hygge und Co.?

Als der Däne Meik Wiking, ein Glücksforscher aus Kopenhagen, sein Buch zum Thema Hygge veröffentlichte, blieb die Welt kurz stehen. Plötzlich wurde es allen klar: Das Rezept zum Glücklichsein fängt bei mir selbst an, in meinem Körper und in meinen eigenen vier Wänden. „Daheim“ ist die Oase der Entschleunigung, der Tempel des eigenen Seins.

Das Konzept hinter dem Kult-Wort, welches sich am besten mit „kuschelig“, „gemütlich“ oder „gut“ übersetzen lässt, ist, dass es einen ganzen Lebensstil umschreibt. Eigentlich kann alles hygge sein. Vom Charakter über die Kleidung bis hin zum Essen und schließlich dem Interieur – Hygge umschreibt eine ganze Lebensphilosophie. Und wie geht Hygge zu Hause, fragen Sie sich jetzt?

Skandinavier sind Trendsetter der Inneneinrichtung.

5 Dinge, die man in einem hyggeligen Zuhause braucht

  1. Decken, Decken, Decken

Mehr Decken braucht die Welt, dachten sich die Dänen und hatten damit (wie gewöhnlich) recht. Decken, Felle (aus Kunstpelz oder echt) und Pölster erhöhen den Wohlfühlfaktor und schaffen eine gemütliche Atmosphäre.

  1. Rückzugsorte

In einem hyggeligen Haus gibt es Nischen und Ecken, die zum Entspannen, Entschleunigen und Tee trinken einladen. Kleine Rückzugsorte, die durch einen hohen Gemütlichkeitsfaktor (siehe Punkt 1) unterstrichen werden.

  1. Das perfekte Licht

Da im hohen Norden die Winter lang und dunkel sind, legen die Dänen viel Wert auf die richtige Beleuchtung. Auf kaltes Licht (über 4.000 Kelvin) wird prinzipiell verzichtet und die Beleuchtung kommt weniger von einem einzigen Deckenfluter, als von vielen kleinen Lichtquellen, die im Zimmer verteilt sind. Das sind beispielsweise Lichterketten, Kerzen, Tischlampen und – im Idealfall – ein offener Kamin.

  1. Farben

Die Farbpalette in einem hyggeligen Zuhause ist genau abgestimmt. Das bedeutet nicht, dass alles nur weiß oder beige sein soll, sondern dass die Farben stimmig sind und miteinander harmonieren. Dabei können auch dunklere Farben wie Marineblau oder Smaragdgrün mit einem kräftigen Ockergelb kombiniert werden. Wichtig ist, dass auf schrille, unruhige Farbtöne verzichtet wird, damit sich das Auge (und somit der Kopf) ausruhen kann.

  1. Holz

Es ist nicht lange her, dass alle Einrichtungsstücke in einem modernen Raum hell- oder dunkelweiß waren. Nun wird jedoch im Interior Design vermehrt zu Holz gegriffen, um wärmere Akzente zu setzen. Holz wirkt heimelig und erhöht im Nu den Wohlfühlfaktor im eigenen Zuhause. Beliebt sind vor allem hellere Holzarten wie Fichte, Ahorn, Esche oder Lärche.

Ein hyggeliges Zuhause besitzt eine ausgewogene Farbpalette

Nach Hygge kommt Lagom

Mittlerweile ist hygge das Verkaufsargument Nummer eins und wurde zum Trendwort, wenn es um puristisches, nordisches Design geht. Und wer jetzt denkt, man müsse radikal umdekorieren, um dem dänischen Hygge-Gefühl gerecht zu werden, der sollte kurz einen Blick nach Schweden werfen. Von dort kommt nämlich das nächste Fremdwort, welches sich langsam in unseren Wortschatz und in unser Leben schleicht: Lagom.

Lagom bedeutet „nicht zu viel, nicht zu wenig – genau richtig“. Der Legende nach wird das Wort vom Wikinger-Begriff „laget om“ abgeleitet, welches wörtlich „in der Gruppe herum“ bedeutet. Damit wurde wohl der Metbecher gemeint, der am Tisch herumgereicht wurde und von dem jeder einen Schluck nehmen durfte. Lagom zelebriert das richtige Maß der Dinge, nicht zu viel und nicht zu wenig eben. Und das lässt sich wunderbar auf unser Zuhause anwenden. Denn Lagom bedeutet auch daheim genau die Dinge zu haben, die man braucht und die man mag. Kein Kram, aber auch kein leeres Regal.

“Nicht zu viel und nicht zu wenig” – die richtige Mischung macht das gemütliche Heim

Lagom bedeutet nicht: „Alles raus!“

Entgegen dem absoluten Minimalismus wird bei Lagom nicht komplett ausgemistet und weggeworfen, sondern Balance geschaffen. Zwischen Überfluss und Bescheidenheit, zwischen Entspannung und Stress und zwischen Arbeit und Freizeit. Es wird bewusster konsumiert und auch eingerichtet und im Hinterkopf schwebt stets die Frage mit: „Brauch ich das? Will ich das?“

Das Konzept „Lagom“ ist gerade deshalb so schön, weil es nicht den Verzicht feiert, sondern das Mittelmaß, in dem wir uns wohlfühlen, mit dem wir hygge sind. Und genau dieses Gefühl, welches jeder für sich selbst so auslegt, wie er mag, ist das Geheimnis hinter den skandinavischen Wohntrends. Denn die klugen Köpfe im hohen Norden haben verstanden, dass unsere Behausungen – wie auch wir BewohnerInnen – vor allem eines sind: individuell.

 

Fotos © Little Paper Plane


Evelyn Höllrigl Tschaikner

bloggt auf http://littlepaperplane.net/
Vor der Geburt ihrer Tochter 2016 rief Evelyn den Blog „Little Paper Plane“ ins Leben. Dieser versteht sich nicht als klassischer „Mamablog“. Vielmehr schneidet die Redakteurin Themen an, die oft anecken, kontrovers sind und die Frau als Individuum in den Mittelpunkt stellen.

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