Haus und Garten | Welcher Gartentyp bist du?

am 01.06.2018 von Caroline Auer-Marcher

Hätte man mir vor fünf Jahren gesagt, dass ich in kürze Besitzerin von Haus und Garten sein werde, hätte ich schmunzelnd den Kopf geschüttelt. Für ein Eigenheim mit Garten bin ich noch viel zu jung! Der eigentliche Plan war nämlich ein anderer. Ein Bastlerhit war unser Ziel, mit kleinem Garten und wenig Verpflichtungen. Ein smartes Projekt für den urbanen Wochenendheimwerker und die kreative Handwerkerin. 

Seit fünf Jahren sind wir nun stolze Besitzer von Haus und Garten und haben inzwischen auch unseren Lebensmittelpunkt von der Stadt aufs Land verlegt. Seit bald vier Jahren frönen wir auch der Gartenlust. Das gehörte damals zum Package dazu! Drei Rasenmäher, ein Vertikutierer und eine Motorsense sind unser eigen. Eine Werkstatt, ein Bauerngarten, lauschige Ecken mit kleinen Obstbäumchen und Blütenstauden sind in den letzten Jahren entstanden. Das größte Trampolin im Ort hat auch einen zentralen, adäquaten Platz gefunden. 

Mit viel Herz und persönlichem Einsatz, nähern wir uns jetzt langsam unserem Traumgarten. Es gibt noch viel zu tun, aber schon jetzt spazieren wir abends stolz durch unseren Garten und erfreuen uns an dem, was wir bis jetzt geschafft haben. Gerade nach einem langen Arbeitstag in der Stadt genießen wir die Ruhe in unserem grünen Paradies am Land. Der Weg dahin war zwischendurch auch recht lehmig (Löss ist unsere Basis), aber wir werden täglich belohnt. Eine ehrliche Empfehlung für jene, die noch vom eigenen Garten träumen – egal, welcher Gartentyp Sie sind – es ist eine Bereicherung für Leib und Seele – und für die ganze Familie!

Gartentypen

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Über die „klassischen Gartentypen“ findet man meterweise Literatur in einschlägigen Buchhandlungen oder gut sortierten Gärtnereien. Englischer Garten, mediterraner Garten, strukturierter Garten, moderner Garten, Wassergarten, Japanischer Garten, wie sie alle heißen mögen – alle haben eines gemeinsam. Gartenpflege ist das um und auf!

Es bedarf jedoch einen richtigen „Gartentypen“ der sich um das Grün kümmert, ansonsten entwickeln die Pflanzen früher oder später eine Eigendynamik. Sehr selten verwandelt sich der Traumgarten ganz von alleine in den Gartentraum, den man sich vorher mühevoll über Pinterest, Bildbände und Magazine im Geiste oder am Moodboard zusammengestellt hat. Ein grüner Daumen allein ist leider selten die Lösung für so manch wucherndes oder vertrocknendes Pflänzchen. Haus und Garten Besitzer sollten sich schon darüber im Klaren sein, worauf sie sich bei der Anlage eines Gartens einlassen und welche Herausforderungen auf sie zukommen. 

Aber lassen Sie sich nicht abschrecken – es ist noch kein Gärtner vom Himmel gefallen! Und was gibt es Schöneres als mit den Pflanzen und Herausforderungen mitzuwachsen und dazu zu lernen?

Der Balkon- oder Terrassen-Gärtner

Fast jede Gartentyp-Karriere beginnt zuerst mit Pflanzen im Haus, auf dem Fensterbrett, am Balkon oder auf der Terrasse. Nicht jeder Gärtner startet im eigenem Haus und Garten. Ganz egal, ob es sich um einen Stadt- oder Landgarten handelt, im Fokus stehen die saftigen Kräuter, idealerweise aus Bio-Kulturen. Tomaten oder Erdbeeren wären auch ganz nett im Eigenanbau auf dem Balkon. Ist dann noch Platz für Oleanderstrauch und Olivenbäumchen, Sitzgarnitur und Retro-Griller, ist man dem Garten-Olymp einen Schritt näher. Auch ohne eigenem Haus und Garten fühlt man sich mit sattem Grün am Fensterbrett urbaner und vor allem gesünder, als mancher Nachbar. Für diesen Gartentypen ist die maximale Herausforderung die Überwinterung des Grünzeugs. Kein Rasen mähen, kein Stauden stutzen, eine pflegeleichte Angelegenheit!  

Der Neubau-Gärtner

Für den Gartentyp im Neubau warten ganz andere Aufgaben. Er steht vor der grundlegenden Entscheidung welchen „klassischen Gartentyp“ er denn um sein Haus herum anlegen möchte. Satter Rasen, grüner Dschungel und Pool seien hier als Stichworte festgehalten. Idealerweise überlegt man sich schon vor der ersten Erdbewegung, wie man sich sein Haus und Garten im Ensemble vorstellt. Als weitere Stichworte lass ich jetzt noch einen entsprechenden Finanzplan, technische Gegebenheiten und laufende Pflege fallen. Vergessen Sie auch nicht auf den Rasenroboter, die Bewässerungsanlage und das notwendige Nebengebäude.

Der Altbestand-Gärtner

Die Herausforderungen werden auch beim Besitzer eines Altbestand-Gartens nicht weniger. Vermooste Wege, trockene Wasserstellen, baufällige Nebengebäude, alte Bäume, Geländeunebenheiten, Pflanzenkrankheiten, Wildwuchs, … Nennt man so eine grüne Wildnis sein eigen, bedeutet das für den Gartentyp mit Altbestand sehr viel Arbeit und Pflegeaufwand. Hat man ein Haus mit saftiger Fassadenbepflanzung, erwartet einen möglicherweise irgendwann eine komplette Sanierung der Hausfassade. Erbt man ein Schmuckstück mit einer Grenzmauer aus Thujen, kann einem möglicherweise die Entsorgung der Retro-Bepflanzung zum Verhängnis werden.


Die Liebe zum Gärtnern zahlt sich bei der Ernte von frischem Gemüse und Kräutern aus.

Welcher Gartentyp bin ich?

Jeder dieser Gartentypen arrangiert sich mit einem eigenen Potpourri an bunten Aufgaben. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie sich der Herausforderung Garten stellen wollen, können Sie gerne nachstehende Impulse für Ihre Entscheidungsfindung heranziehen:

  1. Gärtnern Sie selbst oder lassen Sie gärtnern?
    Wollen Sie sich selbst Zeit für Ihren Garten nehmen oder setzen Sie lieber auf Fachpersonal? Das ist eine wesentliche Entscheidung. Jeder Garten bedarf guter Pflege. Egal ob typischer Hausgarten oder ein exklusives Gartenparadies, das Unkraut kennt keine Grenzen. Lässt man für sich gärtnern, empfiehlt es sich, dies in seiner Gartenplanung von Beginn an zu berücksichtigen.

  2. Praktisch und Simpel oder Komplex und Aufwändig? 
    Wenn Sie selbst den grünen Daumen schwingen wollen, unterschätzen Sie nicht den Zeitaufwand, den ein schöner Garten von Ihnen abverlangt! Vergessen Sie bei Ihren Überlegungen auch nicht den Wechsel der Jahreszeiten, die Größen und Flächen von Rasen, Obst- und Gemüsegärten? Ernte, Verarbeitung, Lagerung? Können Sie Ihren Garten noch genießen oder fürchten Sie sich schon vor der nächsten Hitzeperiode und dem Unkraut zupfen? Möchten Sie im Sommer auch noch in den Urlaub fahren? Ja, auch das wird manchen Gartentypen zum Verhängnis.

  3. Welche Anforderungen haben Sie an Ihren Garten?
    Sie benötigen einen Ruhe- und Rückzugsort, einen Ausgleich für den Alltag und eine Workout-Zone? Gemüse, Obst und Kräuter sollen fixer Bestandteil im Garten sein? Spieleparadies für die Kinder und natürlich eine Sommer-Outdoor-Küche für rauschende Feste sind Pflichtausstattung? Ein Pool oder ein Schwimmteich wären ein Traum? Hier braucht es einiges an Vorstellungskraft, denn auch das Rundherum, spielt bei der Pflege eine oft nicht zu unterschätzende, zeitliche und auch finanzielle Rolle.

  4. Diese Liste lässt sich natürlich noch verlängern. Gerne überlasse ich diese Erweiterung Ihrer persönlichen Kreativität und Phantasie

Die persönlichen Vorstellungen und Wünsche bei Wohnraum, Garten- und Freizeitgestaltung ändern sich meistens parallel zu den Lebensabschnitten. Mein persönliches Learning!


Gibt es etwas Schöneres als die Früchte der Arbeit im eigenen Garten zu genießen?

Haus und Garten | Ein ständiger Wandel

Als Gartentyp, der sein Grün in Eigenregie hegt und pflegt, muss man sich eingestehen, dass Haus und Garten, egal wie groß oder klein, wie komplex oder strukturiert, ein intensiver Job ist. Es erfordert neben Zeit und Geduld auch Ausdauer und Kraft. Als Neo-Gartenbesitzerin erwarten mich jedes Jahr neue Aufgaben und Herausforderungen, die ich im Vorjahr noch nicht kannte. Noch immer sind wir beim Gestalten und umstrukturieren. Wir verwenden größtenteils alte Materialien und Fundstücke, die unser Haus und Garten nach der ersten Umbauphase hergegeben hat. Aus alten Ziegel und Holzbalken bauen wir Hochbeete und Wegeinfassungen. Die alte Brunnenpumpe steht zur Dekoration mitten im neu angelegten Bauerngarten. Alte Zinkwannen und Kannen hängen am Gartenzaun. Alles ganz hübsch anzusehen, aber alles ganz viel Arbeit!

Obwohl wir uns für ein Leben mit Haus und Garten entschieden haben, versuchen wir uns von beiden nicht zu sehr vereinnahmen zu lassen. Es darf im Garten wachsen und gedeihen, trotzdem muss unser Außenbereich pflegeleicht, praktisch und veränderbar bleiben. Wir freuen uns über Kräuter und eigenes Gemüse. Wenn der Rasen mal nicht gemäht wird oder das Garten gießen ausfällt, ist es auch keine Tragödie. Auch als Gärtner darf man Prioritäten setzen! Der Erholungsfaktor steht bei uns im Fokus.

Eine Gartenfantasie

Stellen Sie sich vor, es ist ein lauer Sommerabend im Juni, Sie machen sich gerade auf den Weg in den Garten zum Blumen gießen – was Sie alles hören, sehen, fühlen, schmecken können? Jungvögel im Nest laut nach den Eltern zwitschern, Grillen zirpen, erste Fledermäuse auf Nahrungsfang, ein Wiedehopf der nach Insekten stochert, eine Smaragdeidechse versteckt sich zwischen den Steinen im Kräuterbeet, eine Spinne – Augen so groß wie … und dieser Duft, Wiesenblumen, Zitronenmelisse, frisch gemähter Rasen, ein Griff zu den kräftig, rosa leuchtenden Himbeeren, AUWEH es stupft … aber es schmeckt!!!

Auf das wollen Sie nie mehr verzichten, wen Sie einmal diesen Garten-Duft geschnuppert haben – das garantiere ich Ihnen!

 

Garten-Support

In Niederösterreich gibt es die Initiative „Natur im Garten“ – ein empfehlenswerter Service rund um die unterschiedlichsten Gartenthemen. Ich habe dieses Angebot heuer erstmals selbst in Anspruch genommen – und ich freue mich schon auf die Umsetzung der Vorschläge von den ExpertInnen. Kennen Sie den Adelsschlag für den/die niederösterreichische GärtnerIn? Die Plakette von „Natur im Garten“! Vielleicht haben Sie Glück, und Ihr Garten erfüllt schon jetzt die Kriterien dafür! Noch halte ich sie nicht in Händen, aber sie wurde mir versprochen. Ich lass es Sie wissen, wenn Sie am Gartentor hängt!

Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Gartensommer!


Caroline Auer-Marcher

bloggt auf http://www.dawuschn.at/
Die Teilzeitbloggerin schreibt seit 2013. Ursprünglich um auf die Kreationen aus ihrer Seilmanufaktur aufmerksam zu machen. Inzwischen philosophiert die pendelnde Workingmum auf ihrem Blog, mehr oder weniger regelmäßig, über das Landleben, Haus- und Gartenprojekte und was ihr sonst noch unter den Nägeln brennt. Ein bunter Mix ohne Fokus und Blattlinie!

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